Archiv für den Monat März 2014

Interview von Radio Jerewan mit Kurt Mondaugen: Schamanismus & Spätkapitalismus – „Es ist immer alles schon da!“

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Herr Mondaugen, Sie als Kulturanthropologe und Bewusstseins-Philosoph beschäftigen sich ja schon seit Jahren intensiv mit Schamanismus?
– Ja, ich habe ein paar Bücher gelesen und manchmal bin ich dorthin gereist…

Gibt es Schamanismus wirklich?
Mondaugen: Das ist natürlich eine lebensweltliche Frage: Schauen Sie: ich habe viele Freundinnen und Freunde (und ich nehme mich da nicht aus), die mit zunehmendem Alter für mich unerklärliche Dinge tun: Homöopathie, Karate, chinesisch Essen, ATMEN, John Cage hören, gemeinsam Singen und dabei in Resonanz gehen, sich Texte eingeben lassen und dann auf der Lesebühne vortragen, als wären es die eigenen, Sauna, Schwitzhütte, Familienaufstellung, Sushi, Feng Shui, thermische Oberflächenbehandlung, Performance Kunst, Katholizismus und/oder kritische Theorie. Das alles erzeugt manchmal bei mir einen gewissen globalen Erklärungsnotstand, den Sinn des Lebens oder der Dinge betreffend. Und Schaman/innen sind nun mal Spezialisten für solche unerklärlichen Dinge, indem sie das Geheure umstoßen, und was man dafür hält, und das Tor zum Ungeheuren aufstoßen, wie Heidegger sagt und so die kognitiven Dissonanzen einfach zum Verschwinden bringen, die einen quälen. Das Ganze hat eine individualtherapeutische Dimension, und auch wenn die Krankenkasse es nicht bezahlt: Schamanismus gibt es wirklich! – Weil es ein WORT ist! – Und eine seelische PRAXIS! – Von den gesellschaftlichen Konsequenzen ganz zu schweigen!

Schamanismus hat also auch eine soziale Funktion?
Es ist eine Grundeinsicht der Kulturanthropologie von Malinowski bis Levi Strauss, von Tokarew bis Evans-Pritchard: Schamaninnen und Schamanen sind Menschen, die sich mit Hilfe von Ekstasetechniken auf transzendenten Wegen in metaphysische Regionen begeben, um dort für ihr gesellschaftliches Umfeld bestimmte nützliche Ziele zu erreichen. Das kann man sogar bei Wikipedia nachlesen. Schaman/innen reisen ins Jenseits, und beseitigen dort Störungen, die von dort her ins Diesseits zurückwirken. Und dabei machen sie das nicht aus Ego-Gründen, sondern werden oft gegen ihren Willen zu Reisemedien zwischen den Welten bestimmt – von ‚höheren Mächten’, könnte man sagen, wenn man daran glauben würde. – Ohne Schamanismus jedenfalls werden wir die globalen Probleme nicht lösen, den Klimawandel nicht stoppen, das kapitalistische Empire nicht stürzen und die Sinnressourcen der Welt werden sich aufbrauchen…

Das klingt ja doch recht pathetisch! – Erwarten Sie da nicht zu viel vom Schamanismus?
Ja, Sie haben natürlich recht: Mit dem Schamanismus ist es wie mit der Politik oder wie mit der Liebe: Man hat es letztlich nicht in der Hand! – Der wichtigste Grundsatz ist hier wie auch sonst im Leben: Man soll keine Erwartungen haben! Und der zweite Grundsatz heißt: Es ist immer alles schon da!

Stichwort: Kunst & Schamanismus – ein ambivalentes Verhältnis?
Ach wissen Sie: die Avantgarde arbeitet immer schamanistisch irgendwie. John Cage hat seine wichtigsten Performance-Entscheidungen immer durch das I GING treffen lassen. Und ich sage: Kunst muss immer irgendwie überdeterminiert sein, sich mit den Geistern des Augenblicks verbinden, oder was man dafür hält, sonst wird’s nix. Beuys wäre schon längst tot, hätte er sich nicht in einen Coyoten verwandeln können oder in eine Honigpumpe. Oder denken Sie an Novalis: „Nach innen führt der Weg“ hat er gesagt, bevor er damals abreiste aus Weißenfels, um in Leipzig das 1. Wave Gothik Treffen zu organisieren irgendwann im späten 18. Jahrhundert. Oder wie Jim Morrison seinen Auftrag als Künstler verstand: Break on through to the other side!

Stichwort: Schamanismus und Geisteskrankheit?
Als aufgeklärte Europäer wissen wir natürlich spätestens seit Michel Foucault, dass der „Wahnsinn“ bloß eine Erfindung des späten 18. und des 19. Jahrhunderts ist. Eine fatale Erfindung von verklemmten männlichen sich wissenschaftlich gerierenden Verwaltungsbürokraten und Ärzten, eine Erfindung in deren Namen viele schreckliche Dinge passiert sind: Als „anders“ definierte Menschen, wurden plötzlich einfach weggesperrt, zwangshospitalisiert, zwangsmedikalisiert, statt sie im sozialen und spirituellen Gefüge der Gemeinschaft zu belassen und ihre Kompetenzen zu nutzen. – Die sogenannten Wahnsinnigen waren und sind oft hochsensible schamanistische Medien und beauftragte Reisende zwischen den Welten, um es mal etwas ungeschützt zu formulieren. – Und ich meine jetzt hier nicht „Harry Potter“ oder so fiktives Zeug, sondern wirklich wie bei Ken Kesey: „Einer flog übers Kuckucksnest“!

Schamanismus und psychoaktive Substanzen?
Das wird überbewertet. Man kann das alles auch mit holotrophem Atmen hinkriegen oder durch gewisse nichtintendierte Bewegungen im Wurzelchakra oder im Solarplexus…

Schamanismus und Ironie?
Das verstehe ich als Frage nicht… – – – – … Ich meine: WIE SONST ?! … Oder: WIE SONST NICHT ?!

Vorletzte Frage: Welche historischen Wurzeln hat der Schamanismus in Magdeburg?
Magdeburg hat, auch wegen der exponierten Lage an der Elbe, eine weit ins Neolithikum hinabreichenden Tradition überregional bedeutsamer schamanistischer Großexperimente, die allerdings mittlerweile etwas in Vergessenheit geraten ist. Die letzte schamanistische Großtat waren Otto von Guerickes berühmte Magdeburger Vakuum-Festspiele von 1656, in deren Rahmen das NICHTS erfunden wurde…

Am Abend des 2. April findet nun das Schamanismus-Festival erstmals im FORUM GESTALTUNG Magdeburg statt – mit Ihnen und der Magdeburger Independent-Band „Verfolgte vom Orchester“(VVO). – Was erwartet die Besucher an diesem Abend?
Allgemeine und spezielle Transzendenzerfahrung natürlich! Wir haben die Geister jedenfalls eingeladen… Und Besucher, die an und für sich unerklärliche Gegenstände aus ihrem Leben mitbringen, erhalten zudem ermäßigten Eintritt.

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Magdeburger „Volksstimme“ berichtet nun doch vom Schamanismus-Festival!

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Die Redaktion der lokalen Tageszeitung „Volksstimme“ hat sich auf Drängen der Magdeburger Bevölkerung nun doch entschlossen, vom Schamanismus-Festival am 2. April im Forum Gestaltung Magdeburg zu berichten. Nach zweistündiger Debatte im Redaktionskollegium beschloss der Chef vom Dienst die Berichterstattung vom Schamanismus-Festival, als Aufmacher der Montagsausgabe zu branden und danach dauerhaft in der Rubrik „SPORT“ unterzubringen: Begründung a) „ Die Sportseiten sind sowieso die einzigen, die die Leute lesen.“ / Begründung b) „Sport ist gut für die Gesundheit und Schamanismus auch“ / Begründung c) „Schamanismus ist die letzte realistische Chance den Ex-Europacupsieger 1.FC Magdburg doch noch aus der Fußball-Viertklassigkeit zu beamen.“

28.3.2014 Eklat: Luther und Schamanismus

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Religionshistorische Forschungen an der Universität Halle /Institut für Ethnotheologie anlässlich der Lutherdekade haben eine Reihe bisher unbekannter schamanistischer Schriften des Reformators ans Licht gebracht. Mehrere radikal-evangelikale Sekten aus dem mittleren Westen der USA und dem Erzgebirge haben deshalb ihre Beteiligung an den Reformationsfeierlichkeiten 2017 in Sachsen-Anhalt unter Protest abgesagt.

SCIENCE/ März 2014: Gottesbeweise funktionieren nicht – Schamanismus schon!

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Eine Gruppe von Forschern der Universitäten Salt-Lake-City, Jerusalem, Tuwa und Teheran haben in einem gemeinsamen neurowissenschaftlichen Selbstversuch bewiesen: Monotheistische Religionen jedweder Art produzieren unkontrollierbare seelische Abbauprodukte, für die es weltweit auch kein einziges sicheres Endlager gibt. – Als Ausweg empfehlen sie Schamanismus-Festival. „Es steckt in jedem von uns drin!“ heißt es zur Begründung im letzten Satz der Studie, aus der die aktuelle Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Science“ in ihrer jüngsten Ausgabe zitiert.